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29.07.2004 04:50
Auf der Jagd nach dem Surf-Diplom
Toni Wilhelm vom Windsurfclub Überlingen und seine beinahe zufällige Olympia-Qualifikation
Überlingen
VON SUSANN GANZERT
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Ziemlich cool: Sportstudent Toni Wilhelm vom Windsurfclub Überlingen in Aktion und ganz entspannt vor dem Abflug zu den Olympischen Spielen nach Athen. Bilder: Ganzert/ Landesseglerverband Ba-Wü

Er ist wohl die größte Überraschung im Team des Deutschen Seglerverbandes für Athen 2004: Kaum einer hätte erwartet, dass sich der 21-jährige Toni Wilhelm bei den Weltmeisterschaften der Surfer mit Platz acht so souverän für die Olympischen Spiele qualifiziert, als wäre er schon seit Jahren Teil der Weltelite. Dabei war er bislang immer "nur" Deutschlands Nummer drei. "Ich kann locker an wichtige Wettkämpfe herangehen und bin ein superehrgeiziger Mensch", sagt Toni Wilhelm und bewies es in dieser Saison nachdrücklich. Locker ist Toni Wilhelm, keine Frage und mit seiner freundlichen, verbindlichen Art gewinnt er jeden.

Rund 150 Tage Trainings- und Regattatage absolvierte der Student, der Mitglied des Windsurfclub Überlingen ist, allein im Jahr 2003 - es hat sich gelohnt. "Meine Qualifikation war auch für mich eher eine Überraschung", freute sich Toni Wilhelm und gesteht, dass "die Teilnahme an Olympischen Spielen schon immer sein größter Traum war".

Mit acht Jahren machte der heutige Sportstudent (in Kombination mit BWL und öffentlichem Recht in Kiel) aus der Nähe von Lörrach einen Surf-Anfängerkurs auf dem italienischen Gardasee. "Schuld" daran war sein Surfbegeisterter Vater, der seinen Sohn fortan in jeder Hinsicht tatkräftig unterstützte. Einige Jahre später wurde dann der damalige Surf-Landestrainer aus Baden-Württemberg, Tilo Schnekenburger (Überlingen), auf den surfenden Jungen aufmerksam und berief ihn in den Landeskader. Das war im olympischen Jahr 1996, als ein anderer Surfer aus dem Ländle auf dem besten Weg zu den Olympischen Spielen war: Matthias Bornhäuser (ebenfalls WSCÜ) wurde in Atlanta 1996 Zehnter...

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Toni Wilhelms Weg war weder richtig steil noch steinig, dafür stetig und immer selbst bestimmt: Nach der elften Klasse ging er von seinem Heimatgymnasium an das Droste-Hülshoff-Gymnasium in Meersburg, um öfter surfen zu können. Im Landesleistungszentrum Segeln in Friedrichshafen absolvierte er sein freiwilliges soziales Jahr im Sport und dass er jetzt in Kiel studiert, hat natürlich auch seinen sportlichen Grund.

Bisher war Toni Wilhelm immer die deutsche Nummer drei, war C-Bundeskader und stieg also nicht wie der sprichwörtliche Phönix aus der Asche hervor. Ein bisschen hat er von diesem aber doch, denn bei EM und WM 2003 begann das nationale Überholmanöver Wilhelm: Toni war plötzlich zweitbester Deutscher und bei den Weltmeisterschaften Mitte April 2004 war er der beste Deutsche und auch bei den Europameisterschaften unterstrich er seinen Leistungsanstieg nachdrücklich mit einer Top-Ten-Platzierung und bei der großen Kieler Woche hat er nur knapp den Sieg verpasst. Die Fachleute sehen Toni ziemlich weit vorne und trauen ihm Platz drei oder vier zu. Lange müssen sich die Segel- und Surffans nicht mehr gedulden, am 14. August fällt der Startschuss und dann ist die Zeit der Vorbereitung vorbei.

Toni Wilhelm freut sich "dass das Segel- und Surfrevier so nah am olympischen Dorf ist". Meist sind die Segler und Surfer fern ab vom olympischen Leben, wenn das Olympische Zentrum im Binnenland ist, und selten können sie bei den eindrucksvollen Eröffnungs- oder Abschlussfeiern dabei sein. Dabei sind sie es doch, die am längsten für ihre Medaillen kämpfen müssen: Die olympischen Surfwettbewerbe dauern 14 Tage, inklusive zweier Ruhetage. Toni Wilhelm surfte in diesem Jahr auf seiner Erfolgswelle und weiß, dass die Trauben bei den Olympischen Spielen besonders hoch hängen. Seine Prognose für Athen ist eine ungefähre: "Ich möchte gerne in die Diplomränge surfen", sagt er. Was immer das auch heißt.

Und danach? Danach ist davor - heißt es im Volksmund und der 21-Jährige kann sich heute schon sehr gut vorstellen, auch bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking an den Start zu gehen.